Restaurierung
Überblick über die zehnjährige Restaurierung des Hallerschlosses Nürnberg-Mögeldorf
Zehnjährige Restaurierung
Das Ensemble wurde auf seine Erscheinungsform um 1500 restauriert. Es möchte nun wieder durch Übernachtungen und mit Gästen auf Zeit belebt und durch Ihre Veranstaltungen wie auch Ideen bespielt werden.
Ausgangssituation
Im Jahre 2010 war das sogenannte Hallerschloss und das nördliche Nebengebäude laut statischem Gutachten einsturzgefährdet und die Tragfähigkeit der Gebäude nicht mehr nachweisbar. Im komplett ausgebauten Inneren des Gebäudes waren 10 neuzeitliche Wohneinheiten errichtet, mit neuzeitlichen Böden, abgehängten Decken und zeitgemäßen Bädern.
Sämtliche historische Einbauten, wie Dielenböden, Innentüren, und alle Kachelöfen waren leider nicht mehr vorhanden. Alle Holzdecken und Holzbalken waren mit Leichtbauplatten verkleidet. Alle Innen- und Aussenwände waren mit die Substanz schädigenden Gips- oder Zementputzen in vielen Schichten und mit industriellen Ölfarben versehen. Bereits bei den Umbauten von einer Burg zum Patrizierschloss Anfang des 16. Jahrhunderts wurden strukturell tragende Elemente des Gebäudes entfernt oder nachhaltig beschädigt, beispielsweise bei Entfernen der ursprünglichen Burg-Wendeltreppe und stattdessen Einbau der stattlichen Schloss-Treppe, ebenso bei Einbau der imposanten Kamine.
Zusätzlich drohte das Ensemble nach Osten und zur Pegnitz abzurutschen aufgrund gänzlich fehlender Fundamentierung auf dem nicht tragfähigen Baugrund der sandigen Pegnitzterrassen und im Bereich des östlichen Anbaus.
Der Turm zur Pegnitzseite war nicht mehr vorhanden, lediglich sein Fundament war noch im Boden zu finden. Der ehemaligen Innenhof zwischen Haupt- und Nebengebäude sowie der Außenbereich der Terrasse waren mit zahlreichen Schuppen und Garagen überbaut, die ursprüngliche Gebäudekonfiguration war nicht mehr erkennbar.
Rückbau und Freilegung
der Struktur
Diese das Gesamtensemble störenden neuzeitlichen Bauten wurden zuerst abgerissen. Im Inneren des Hauptgebäudes wurden dann alle neuzeitlichen Innenwände entfernt, um die ursprünglichen spätmittelalterlichen Grundrisse mit 8 Wohneinheiten, jeweils aus „Kammer und Stube“ bestehend, wieder erleben zu können.
Schicht um Schicht wurden die seit Jahrhunderten aufgetragenen Oberflächen über den historischen Wänden, Decken und Böden Lage für Lage abgelöst. Die den Sandstein der Außenwände und das Fachwerk in erheblichem Ausmaß schädigenden industriellen Zementputze wurden entfernt. Alle neuzeitlichen Fenster und Türen wurden zurückgebaut und durch handwerklich hergestellte Nachbauten historischer Fenster und Türen mit von Hand geschmiedeten Aufsatzbeschlägen ersetzt.
Fundamente, Statik
und Wiederaufbau
Die Fundamentierung der Gebäude musste mit allen Erdarbeiten aufgrund der vermuteten archäologischen Funde in reiner Handarbeit hergestellt werden, dabei wurden zahlreiche Fluchtgänge und verfüllte Keller entdeckt und freigelegt. Der Turm wurde wieder aufgebaut und dient nun im Sinne des Brandschutzes als zweiter baulicher Fluchtweg und konnte zudem mit einem Personenaufzug versehen werden.
Die statische Tragfähigkeit des Hauptgebäudes wurde durch Zugverbindungen zwischen den Giebeln, Stahleinbauteile und unter bestehenden Mauern abschnittsweise hinzugefügte Fundamente wiederhergestellt. Zu stark geschädigte Balkenteile und Sparren wurden nach Möglichkeit nur abschnittsweise ersetzt und dann zimmermannsmäßig angeschiftet, ohne Verwendung von Verbindungsmitteln.
Der Dachstuhl wurde repariert, der Erhalt an historischer Substanz stand an oberster Stelle, auch die nicht lotrechte Ausbildung des Daches wurde konsequent erhalten. Neuzeitliche Gauben wurden rückgebaut, die Ecktürme und der Mittelgiebel, dessen ursprüngliche Existenz und Position in den originalen Sparren von Anfang des 16. Jhdts noch ablesbar war, wurden in traditioneller Zimmermannsarbeit, ohne neuzeitliche Verbindungsmittel wiedererrichtet.
Handwerkliche Rekonstruktion
und Material
Die Dachziegel wurden entfernt, vereinzelte historische Exemplare aussortiert und wiederverwendet. Nach deren Vorbild wurden Ziegel nachgebrannt. Als Dämmstoffe wurden ausschließlich ohne Klebstoffe gepresste Holzfasern verwendet. Das stark geschädigte Fachwerk wurde restauriert. Die von Ölfarben und Zementputzen befreiten Sandsteine erhielten auf der Außenseite einen traditionell hergestellten reinen Kalkputz ohne jegliche Bindemittel und einen Außenanstrich nur mit Pigmenten und Wasser.
Auf der Innenseite der Mauern wurde eine die Feuchtigkeit verdrängende Wandheizung, die eine behagliche Strahlungswärme generiert, verbaut. Auf den Putzträgern aus Schilfmatten wurden dann ein für das Objekt handwerklich angesetzter und mit Stroh versetzter Lehmputz aufgebracht. Als Farben wurden reine Sumpfkalkfarben mit Magerquark oder Kalk-Kasein Farben nach historisch korrekter Befundung für das Gebäude hergestellt und verwendet.
Es wurden Eichenholzdielen, Natursteine und traditionell händisch hergestellte Tonfliesen verbaut. Alle Holzflächen wurden nur mit reinem Leinöl behandelt.
Ausstattung, Ergänzungen
und Nutzung
Das Ensemble wurde generell auf seine Erscheinungsform um 1500 restauriert und möchte nun wieder durch Übernachtungen von Gästen auf Zeit belebt werden und durch Ihre Veranstaltungen und Ideen bespielt werden.
Das Anwesen wurde mit historischen Türen, Ausstattungsgegenständen und Antiquitäten aus anderen Häusern versehen, die jeweilige Provenienz wurde für spätere Generationen in einem Raumbuch dokumentiert.
Bereiche ohne Befund und neue Bereiche wurden konsequent in Stahl/Glas ergänzt. Der wiederhergestellte Innenhof erhielt zur Erweiterung der Nutzungsmöglichkeiten ein vom Bestand abgesetztes Ganzglasdach. Um das Gebäude ohne Eingriff bzw. bauliche Ertüchtigung der historischen Materialien nutzen zu können, wurde eine flächendeckende Brandmeldeanlage verbaut.
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Wichtiger Hinweis
Das privat von drei Generationen der Eigentümerfamilie bewohnte Hallerschloss ist kein klassischer Beherbergungs- oder Veranstaltungsbetrieb. Es öffnet seine Tore exklusiv und nur dosiert für ausgewählte Gäste und besondere Veranstaltungen.
Adresse
Kirchenberg 7
90482 Nürnberg
OT Mögeldorf
Kontakt
T: +49 (0)171 937 65 55
info@hallerschloss-nuernberg.de
Ansprechpartner: Michael Röder
